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Was ein Buchverlag leistet

Heute kann jeder seine Inhalte vergleichsweise einfach ins Netz stellen und sie so einem riesigen Publikum zugänglich machen. Und nicht zuletzt bietet zum Beispiel das Internetportal Amazon an, Bücher zu verlegen. Ist der herkömmliche Verlag also verzichtbar geworden, hat er sich überlebt?

Setzerkasten

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Letzten Endes werden das die Leser entscheiden, aber ich glaube, sie werden schnell den Unterschied wahrnehmen zwischen einem Buch aus einem Verlag und einem Buch direkt vom Autor.

Das herkömmliche Buch durchläuft vom Autor bis zum Leser einen langen Prozeß.

Zuerst ist da der Lektor im Verlag, der das Manuskript daraufhin prüft, ob es überhaupt eine Leserschaft dafür gibt und ob der Verlag der richtige Kanal ist, diese Leserschaft zu erreichen. Als Leser bleiben Sie auf diese Weise davor verschont, die vielen unsäglichen, unausgegorenen oder auch nur belanglosen Manuskripte selbst zu prüfen, um dann das eine wirklich Lesenswerte zu finden (oder auch nicht).

Wird ein Manuskript angenommen, dann arbeiten Autor und Lektor gemeinsam am Feinschliff. Bei Sachbüchern gibt es zudem häufig externe Fachleute, die den Inhalt auf Fehler prüfen. Als Leser kommen Sie so zu einem Text, der inhaltlich abgeklopft, stilistisch sicher und gut lesbar ist.

In einem weiteren Durchgang geht der Text durch ein Korrektorat, das die Rechtschreibung prüft. Als Leser brauchen Sie sich also nicht über schlechte Rechtschreibung zu ärgern, die oft dazu führt, daß man einen Satz zwei Mal lesen muß, um zu verstehen, was eigentlich gemeint ist. (Wer freie Texte im Internet liest, wird wissen, was ich meine!)

Parallel überlegen im Verlag Lektorat und Vertrieb gemeinsam, wie sie die Leser für das Buch am besten erreichen: Wie sieht der Umschlag aus, wie lautet der Titel, wie lauten die Klappentexte? Als Leser haben Sie am Ende ein gutes Bild von dem Buch. Titel, Umschlag und Klappentext beschreiben das Buch zutreffend, und so wissen Sie, ob es interessant für Sie ist.

Vorschau

Jetzt ist es an der Zeit, das Buch dem Handel vorzustellen. Der Verlag versendet eine »Vorschau«, in dem die Bücher der kommenden Saison vorgestellt werden. Verlagsvertreter, die die Bücher gelesen oder zumindest angelesen haben, stellen die Bücher persönlich den Buchhändlern vor, der sie dann einkauft – oder auch nicht. Als Leser finden Sie in der Buchhandlung ein Sortiment an Büchern, das ein Mensch bewußt ausgewählt hat, der sich mit den Inhalten auskennt und auseinandersetzt. Er kann Sie entsprechend beraten, sich in dem riesigen Angebot zurechtzufinden.

Während die Verlagsvertreter die Bücher schon anbieten, wird im Verlag an der Fertigstellung gearbeitet: Satz, Umbruch und Ausstattung, und dann die Produktion in der Druckerei überwachen. Als Leser haben Sie am Ende ein Buch in der Hand, das im Hinblick auf Gestaltung, Ausstattung, Papier und Verarbeitung ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis bietet.

Sie haben Ihr Buch gefunden? Sie gehen zur Kasse und bezahlen es? – Danke!

Ihr Geld wandert nun aus der Kasse des Buchhändlers zur netten Buchhändlerin, die ja auch leben muß; an das Elektrizitätswerk, welches den Strom für die Beleuchtung geliefert hat; an den Vermieter der Räume in zentraler Lage und… und… – Und der Verlag bekommt natürlich auch seinen Anteil.

Und genauso, wie der Buchhändler die Einnahmen für Wareneinkauf und die verschiedenen Kosten aufwenden muß, so hat auch der Verlag seine Mitarbeiter, Raumkosten, Rechner usw. zu bezahlen, nicht zu vergessen die Druckerei, die Grafiker, die externen Lektoren – und natürlich die Autoren, die von jedem verkauften Buch einen festen Prozentsatz des Ladenpreises bekommen.

Kann ein Autor von seiner Arbeit leben? – Man schätzt, daß weniger als 1% der Schriftsteller ihren Lebensunterhalt mit ihrer Arbeit bestreiten können; und nur ganz wenige einzelne werden durch das Schreiben wirklich wohlhabend.

Aber der Verlag, der bereichert sich doch, oder nicht? – Richtig ist, daß ein Verlag, würde er nur Bestseller produzieren, praktisch eine Gelddruckmaschine wäre. Nur: Kein Verlag tut das, noch nicht einmal jene, die das versuchen. Hinter vielen Verlagen stehen [aber] auch heute noch Menschen, die Überzeugungstäter sind, die die Bücher zuerst um der Inhalte willen herausbringen. Eine grobe Faustformel des Verlagsgeschäftes besagt, daß 50% der Titel Verluste bringen, weitere 40% tragen sich mehr oder minder selbst und nur 10% werfen wirklich und manchmal beträchtlichen Gewinn ab – und tragen damit die 90% der anderen Titel mit. Als Leser haben Sie eine enorme Auswahl an Büchern, von denen jedoch mindestens 50% subventioniert sind, im wesentlichen von den 10%, die die Masse machen.

Buchhandlung

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Aus diesem Grund gibt es auch die Preisbindung, die verhindert, daß die Bücher, die zu Bestsellern werden, im Preiswettbewerb so billig werden, daß sie die anderen Bücher über eine Mischkalkulation nicht mehr mittragen können. Als Leser bezahlen Sie für einen Bestseller zwar etwas mehr, aber dafür sind viele andere Bücher erschwinglich, die sonst deutlich teurer – oder gar nicht erst erschienen wären.*

Im übrigen beweist der starke Konzentrationsprozeß bei Verlagen, in dem viele kleine Verlage von größeren »geschluckt« wurden, daß viele wirtschaftlich nicht überleben konnten. Also hat die Preisbindung den Wettbewerb nicht beeinträchtigt.

Als Leser dürfen Sie sich über eine große Vielfalt an Büchern freuen, weil es immer noch eine große Zahl von Verlagen gibt, und jedes Buch, das Sie in die Hand nehmen, zeugt von der Leistung dieser Verlage, die Sie – nachdem Sie etwas mehr über die Hintergründe wissen – vielleicht noch besser zu würdigen wissen.

 

* Nach Abschaffung der Buchpreisbindung in Großbritannien ist der durchschnittliche Buchpreis gestiegen, die Titelvielfalt hingegen deutlich zurückgegangen – ganz abgesehen von einem Sterben der örtlichen, unabhängigen Buchhandlungen.